Viel Trubel um „Hambi“

Ich habe mich zu dem Thema bisher bewusst nicht zu Wort gemeldet, weil mal wieder klar sein dürfte, dass meine derzeitige Sicht aufs Thema definitiv keine populäre ist. Mir geht es in diesem Blog aber nicht darum, möglichst populäre Sichtweisen wiederzugeben, sondern eben vor allem auch DA hin zu gucken, wo man gerade lieber nicht hinschaut.

Wie kaum ein anderes Thema erhitzt das Thema „Hambacher Forst“ in diesen Tagen die Gemüter. Zig-Tausende gewillter Naturschützer strömen in die Gegend, in der ich selbst aufgewachsen bin, um RWE und Gerichtsbeschlüssen die Macht zu nehmen, unserer Erde ein weiteres Stück Lunge zu amputieren. Im Rahmen des Spektakels zeigt die Polizei erst ihre unnachgiebige Seite, um dann im weiteren Verlauf die Helme abzunehmen und Solidarität mit den Umweltschützern zu zeigen. Und dann kommt es wirklich zu einem Gerichtsbeschluss, in dem ein (zumindest vorläufiger) Rodungsstopp verfügt wird.

Und während sich erstmal alle berechtigt feiern (und da hab ich nicht das Geringste gegen), nimmt andernorts der tägliche Wahnsinn unbekümmert weiter seinen Lauf.

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Und genau da sehe ich das wirkliche Problem: „mit ihrem Segen“! Denn genau das ist es:
All diese Dinge passieren mit dem Segen derer, die Regierungen bedingungslos als Autoriäten anerkennen. Denn dadurch geben wir ihnen die Möglichkeit, über unsere Köpfe hinweg zu machen was sie wollen, und das eben auf unser aller Kosten! In einem Land, in dem niemand mehr was zu sagen hat außer der Regierung, passiert eben auch nur noch das, was die Regierung beschließt. Da helfen alle Debatten nicht, genau DAS zu vertuschen!

So kommt es, dass alles bleibt wie es ist, während aller Augen sich auf den Hambacher Forst konzentrieren. Und egal was für einen Sieg der Naturschutz hier gerade zugeschrieben bekommt, die Natur wird täglich weiter geschändet. Klar sind Windräder sauberer als Kohle- oder Kernkraftwerke, aber ihre Herstellung ist es genau so wenig wie ihre Aufstellung. Trotzdem sehe ich Naturliebhaber mit leuchtenden Augen, wenn die sie Spargelstangen betrachten, die über die letzten Jahrzehnte wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, und inzwischen auch das letzte bisschen natürlichen Landschaftsblick verschandelt haben.

Besonders gelungen fand ich gewisse Schelte in meine Richtung, weil ich immer zu solchen Sachen aufrufe, und jetzt, wo „wirklich was passiert“, nicht mit dabei bin. Diesen Leuten ist bewusst, dass ich auf Mallorca lebe. Was allein meine Anreise an Kerosin oder Spritt gekostet hätte, wäre für mich mit Umweltschutz nicht konform gewesen. Wie sagt Hagen Rether so treffend: „Da fliegen die mit badewannenweise Kerosin nach Neuseeland, weil da die Natur so schön ist!“. Die Natur hätte NICHTS davon gehabt, wenn ich mich auf den Weg gemacht hätte (und schwimmen und zu Fuß.. wow, das hätte ich definitiv nicht pünktlich geschafft!). Ich frage mich, wie viel die OPEC bei dieser Umweltschutz-Aktion wieder gescheffelt hat. Die finden die Aktion jedenfalls mit Sicherheit auch ganz toll! So wie die deutsche Regierung, die immer noch 85 Cent pro Liter Treibstoff abgreift!

Und so hat die Natur selbst von dieser Aktion im Ganzen sehr wenig. Der Rodungsstopp im Hambacher Forst sieht nach einem Teilerfolg aus, aber nur, wenn man nicht genauer hinsieht! Wer weiss, was gerade wieder anderswo möglich ist, weil aller Augen auf den „Hambi“ gerichtet sind? Oder eben genau DA gleich vor der Nase. Anwohner beschweren sich über den Aufmarsch der Umweltschützer und den Müll, den sie hinterlassen. Für sie ist der Kampf gegen das RWE nichts Neues, sie kämpfen ihn schon seit über sechs Jahren. Klar freut man sich über Unterstützung, aber auch nur, wenn sie wirklich eine Hilfe ist, und sich nicht wie eine marodierende Horde gebahrt, die für die Menschen vor Ort nur neue Probleme aufwirft. Gabi, eine Anwohnerin findet in ihrem Brief keine sehr netten Worte für die Invasoren. 

Doch dies hier wäre kein Artikel von mir, wenn ich darin nicht auch das Andere beschreiben würde, das ich in der Angelegenheit mitbekomme. 
Denn wie es ausschaut, bin ich bei Weitem nicht der Einzige, der den Problemkern im Gehorsam sieht. Und so freute es mich umso mehr, eine der Vorhersagen aus „2020 – Die neue Erde“ in der „Realen Welt“ auftauchen zu sehen: 

Der Gehorsam geht flöten! Ganz langsam brechen an signifikanten Stellen die ersten Steine aus der Mauer. Und wie bei allen Mauern, aus denen Steine ausbrechen, nehmen sie den gesamten Halt der Mauer gleich mit. Der geht mit den Ersten Steinen, nicht mit den Letzen.  Einer dieser Steine ist ein Polizist, der zwar nicht am Einsatz im Hambacher Forst beteiligt, aber emotional durchaus verwickelt war. Anonym schreibt er einen offenen Brief, in dem er deutlich auffordert, mal darüber nachzudenken, wann auch für Staatsorgane die Zeit gekommen ist, „NEIN“ zu sagen! Das ist Aufruf zu UNGEHORSAM! Zu überdenken, was man zu tun gesagt bekommt, und es gegebenenfalls NICHT ZU TUN!

„Es macht mich wütend, zu sehen, wie Kollegen und Kolleginnen dort im Wald vor einen Karren gespannt werden, den sie nicht ziehen sollten. Die Polizei sieht sich vielfach mit dem Vorwurf konfrontiert, zum Handlanger einer Firma zu werden. Klar, das nervt.
Meinem Dienstgruppenleiter habe ich gesagt, dass er von mir eine Krankmeldung bekommen hätte, wären wir an diesem Einsatz beteiligt“

Das sind KLARE und DEUTLICHE Worte, und sie dürften in den Reihen der Polizei nicht nur die Sichtweise eines Einzelnen wiedergeben. Und das gibt allen Grund zur Hoffnung, denn diese Worte bestätigen, dass durchaus nicht alle Polizisten – oder anderweitig dem Staat Dienenden – hirnlos funktionierende Roboter sind, sondern eben doch MENSCHEN!
Menschen, die nicht nur fähig sind, sich ihre eigenen Gedanken zu machen, sondern das auch TUN! Und das immer häufiger auch an Stellen, an denen das mal GAR NICHT gefragt ist!

Doch wir sollten uns nicht davon abhängig machen, was andere tun. Dieser Artikel könnte natürlich auch wieder einfach nur ein geschickt angelegter Bluff sein für all die, die darauf warten, dass endlich etwas passiert. Wir sollten nicht darauf warten, dass etwas passiert, weil ANDERE anfangen was anders zu machen. Wir sollten SELBST tun was wir können, um unsere Leben wieder SELBST in die Hand zu nehmen. Nur so können wir irgendwann mal „souverän“ werden. Das funktioniert einfach nicht, so lange man glaubt, wie bräuchten eine Externe Führung. Und dann noch eine wie die, die den Job für alle übernommen hat. DAS ist ja wohl ein WITZ!

Und so lade ich ein, der Aufforderung im Brief des Polizisten SELBST nachzukommen. Auch wenn man kein Polizist ist, und eigentlich gar nicht angesprochen war. Fühl dich angesprochen. Denn nicht nur für die Polizei spielt die Frage eine Rolle, wie weit Gehorsam gesund sein kann. Lerne, NEIN zu sagen, wenn Du etwas tun sollst, das für dich ethisch nicht vertretbar ist. Lerne, DIR und deinem Urteilsvermögen zu trauen. Ja, es ist bewusst getrübt, aber das bedeutet nicht, dass du es mit ein wenig training wieder sauber nutzen kannst. Und dann könnte es passieren… dass du dich irgendwann fragst, wie du so manches in deinem Leben hast vertreten können. Und es könnte sein, dass du siehst, warum SO VIEL was du getan hast, so viel Leid in deinem Leben verursacht hat.

Denk mit. Und lass andere auch mitdenken, indem Du Deine Gedanken zum Thema offen kundtust. Nicht alle davon werden allen gefallen, aber darum geht es beim Austausch auch gar nicht. Da geht es um Bewusstseinserweiterung und Sichtweisen zu sammeln, die einem helfen, das GANZE zu sehen, nicht darum, wer RECHT hat. Du hast das Recht so zu sein wie du BIST, und deine Gedanken laut auszusprechen. NUTZE es, dann hast du mehr Recht, als du in irgendeiner Diskussion je haben könntest. 

Abschließend möchte ich einem Post einer Freundin zu mehr Reichweite verhelfen, der sich in für mich entsprechend sinnvollem Tonfall an die Mitarbeiter des RWE-Konzerns richtet… DENKT MIT!

Liebe RWE Mitarbeiter,
Jaaa, ich bin Hambi Unterstützer, und jaaa, ich finde es großartig, was erreicht wurde, dass es erreicht wurde. Ich kann verstehen, dass ihr um eure Arbeitsplätze bangt, aber, seid mal ehrlich, ihr werdet nicht morgen oder nächste Woche auf der Straße sitzen, nur weil dieses „kleine Stückchen“ grün vorerst nicht gerodet wird. Mag sein, dass dieses Stückchen Wald in euren Augen nichts mehr wert ist, aber denkt mal darüber nach, wo leben wir hier? Auf einer Insel umgeben von hässlichen löchern. Wirkliche Lebensqualität haben wir hier nun wirklich nicht. Feinstaub und Strahlung in rauen Mengen, warum meint ihr, haben wir hier eine erheblich erhöhte Leukämie und krebsrate als anderswo? Lungen- und Bronchialkrankheiten mal gar nicht mitgezählt. Das kann und darf man, auch als RWE Mitarbeiter nicht übersehen. Dieses Stückchen Wald ist auch für euch und eure kinder, der Strohhalm, der „schnorchel“ für gesunden Sauerstoff. Ich weiß, ihr kommt jetzt wieder mit dem Argument der Rekultivierung, jaa, die sophienhöhe ist schön geworden, ist und bleibt allerdings ein retortenwald, der noch einige 100 Jahre braucht um dieses ökosystem, des Hambacher Forstes, aufzubauen. Meine Großeltern kamen aus dem Ruhrgebiet hierher, jaa, mein Opa war Bergmann untertage, sie kamen hierher zum „durchatmen“, wollten für ihre Kinder gesunde Luft vom grünen Land. Ein paar Jahre später rollten die Bagger an. Heute habe ich meinen Vater an Krebs verloren, mit 57 jahren, meine Mutter hat Asthma. Nein, natürlich sage ich nicht, es liegt an RWE, aber weiß man, wie es wäre ohne????
Es ist jetzt wirklich genug, alle, die behaupten, ohne Braunkohle sitzen wir morgen im dunkeln, sollten sich mal belesen oder aufklären lassen. Und außerdem ist es sowieso noch ein weiter Weg zum braunkohleausstieg. Ihr werdet eure Arbeitsplätze noch sehr lange behalten, es gibt noch viel zu tun und die Bagger buddeln noch.
Wenn wir könnten, wie wir wollten, würden wir hier wegziehen, denn die Lebensqualität ist hier wirklich nicht besonders. Ich habe drei kinder, denen ich erklären muss, warum wir hier diese „schweizerkäse Landschaft“ haben, warum es hier nicht unbedingt gut ist, Regentropfen mit der Zunge aufzufangen oder gar Schnee zu essen.
Seid doch bitte ehrlich zu euch selbst, wollen wir denn nicht alle eine saubere Umwelt? Es ist nicht alles bedingungslos gut, was RWE macht. Eure Loyalität in allen Ehren, aber ihr dürft und müsst auch hinterfragen, müsst euch fragen was wirklich wichtig ist, für euch, für uns und alle Lebewesen, die hier zu hause sind.
In diesem sinne, Glück auf

S. Noll

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