„Aufwachprozess“

Interessante Zeiten, nicht wahr? Dinge überschlagen sich regelrecht, und vielen haut’s ihre Welt schlichtweg um die Ohren. Viele kommen inzwischen damit parat, andere noch nicht so. Letzteren möchte ich (wie mir selbst) einen Gefallen tun und hier die Dinge zusammen tragen, die MIR geholfen haben, wieder ruhiger zu werden. 

Bei allem was in der Welt gerade so geschieht, kann man einer bestimmten Sache dabei zusehen, wie sie sich entwickelt. Und das ist unser Bewusstsein.
Manchmal ändert es sich ganz schnell, manchmal träge langsam, aber wenn man es mal über Jahre bei sich und anderen einfach beobachtet, kann man SEHEN, wie es sich verändert. Und wie Menschen auf einmal Dinge sagen, die sie selbst kurz vorher noch als absoluten Schwachsinn abgetan haben. Die Menschheit wacht auf. Das ist wirklich eine passende Beschreibung. Sie wacht auf aus einer Illusion, die sie bisher als „DIE REALITÄT“ kannte. In der niemandem bewusst war, dass JEDER von uns in seiner eigenen kleinen Welt lebte, und jeder davon ausging, dass die meisten um einen herum die Welt so sehen wie man selbst. Während man sich von seinem Umfeld seine Sichtweisen diktieren liess ohne es zu merken. Und so weiter.

Bei mir ist es jetzt 13 Jahre her, dass ich einen Wecker in meinem Leben nicht überhören konnte. Etwas, das mir keine Ruhe mehr gelassen hat. Ich FÜHLTE mit jeder Pore meines Seins, dass irgendwas nicht stimmte. Aber ich wusste nicht was. Es war quasi unumgänglich, diesem Rätsel nachzugehen, und herauszufinden, was es damit auf sich hatte. Als ich den Schlüssel zum Schloss gefunden hatte, musste ich bitterlich weinen: Eine Erkenntnis erschütterte mich bis ins Mark: Ich hab mich mein GANZES LEBEN lang belügen, betrügen und verarschen lassen. Für einen Moment war mein Vertrauen in die Menschheit restlos verloren, in Anbetracht dessen, dass es niemandem bewusst war, die Hoffnung in sie auch. Doch eben dieses Wissen darum, dass die anderen es nicht wussten, weil sie sich AUCH haben belügen und betrügen verarschen lassen, zeigte mir, dass ich sie wohl kaum dafür verantwortlich machen konnte. Und NUR DAS brachte mich überhaupt dazu, die anderen mal gelassen die anderen sein zu lassen und mich darauf zu konzentrieren, was und wie ICH denn genau wahrnehme.
Und das bitte ich im Folgenden zu berücksichtigen. DAs was jetzt kommt, spiegelt MEINE BEOBACHTUNGEN wieder, nichts davon ist in Ewigkeit gemeißelte unumstößliche Wahrheit. Aber wenn es nur EINEM meiner Leser hilft, freu ich mich schon. Ich schreib das hier genau genommen gerade, weil ICH es gerade für spruchreif halte.

In diesem MEINEM Aufwach-Prozess konnte ich einige Phasen ausmachen, die ich im Verhalten anderer auch widergespiegelt sehe:

1. Tiefschlaf-Phase

Die Welt ist scheiße in Ordnung. Ich kann nichts dran ändern. Ich konsumiere viel, aber hinterfrage nichts. Ich definiere mich über mein Ego, und aus allem was es besteht: Besitz, Intellekt, Status, Ideologie, u.s.w. Ich suche meine Bestätigung im Außen, und alle, die mir keine geben sind kategorisch doof. Ich halte mich an die Regeln, die mir auferlegt werden, und erwarte von anderen, dass sie nach meinen Spielregeln spielen. Ich verfüge über Unmengen von „Allgemeinwissen“, das ich auswendig gelernt herunter rattern kann, aber nichts davon mal selbst überprüft habe. Mein Leben besteht aus Theorie und Philosophie, und spielt meist in der Vergangenheit oder Zukunft. Traumata und Ängste prägen mein Leben dahin gehend, dass sie beeinflussen, wie ich mich im Hier und Jetzt verhalte. Ich weiss immer wer der Böse ist, und Verantwortlich für alles Mögliche, und ich bin natürlich immer einer von den Guten. Für tolle Sachen, die anderen gefallen, übernehme ich gern die Verantwortung, für Unangenehmes GAR NICHT. Ich bin verstrickt im Schuldspiel und ergreife bei jeder Gelegenheit Partei für irgend etwas. Dadurch bin ich angreifbar, und dadurch gezielt manipulierbar. Ich würde eher sterben als zulassen, dass ich im Unrecht bin. Immer wieder bin ich eine Enttäuschung für andere, und andere enttäuschen mich. Es gibt Momente, da empfinde ich die ganze Welt und Gott gegen mich gerichtet, und habe nicht die geringste Ahnung, dass ich mir das alles gerade ALLES SELBST so gestalte.

2. Dämmerschlaf

Ein Wecker klingelt. Ich nehme ihn weit weg wahr, und merke, dass etwas nicht stimmt. Ich bin aber noch viel zu sehr im Traum gefangen, um zu realisieren, dass Zeit zum Aufwachen und vor allem Zeit zum Aufstehen ist. Ich merke eine Entität in mir, die ich als MICH empfinde, die immer da war, oftmals „das innere Kind“ genannt. Ich trete langsam in Kontakt mit dieser Entität und beginne, sie langsam wieder kennen zu lernen.
Ich stolpere über Dinge, die mich ins Staunen versetzen, die meinen Geist verwirren, ihn aber interessieren und so wieder langsam in Gang bringen. Ich erkenne gewisse Zusammenhänge. Aber ich bin ALLEIN damit! Sobald ich anfange über diese Dinge zu reden, reagiert mein Umfeld höchst empfindlich. Ich fühle mich schnell wie ein/e Aussätzige/r und ziehe mich immer mehr in mich selbst zurück. Ich bin nicht mehr „normal“ genug, und von der Wahrheit, die ich gerade sehe, will um mich herum keiner etwas wissen.

3. Langsames Zu-Sich-Kommen

Kurioserweise finde ich in genau dieser Isolation durch das Internet Menschen, die AUCH gefunden haben was ich gefunden habe. Durch den Austausch mit ihnen fühle ich mich nicht mehr so klein und unbedeutend. Statt dessen kann ich jetzt kompensieren was mir vorher fehlte, und Genugtuung bestimmt meinen Tag. Ich fühle mich von Außen bestätigt und fang an, mich irgendwie „besser“ zu fühlen als andere. Ich nenne sie Schlafschafe, mache mich lustig über sie, fühle mich Elitär und kann mein verkümmertes Selbstbewusstsein wieder etwas aufbauen. Allerdings klapp das so nicht mehr. Denn neben der Bestätigung im Aussen steht wie immer und nie zuvor die Ablehnung im Aussen. Ich muss die Welt retten! Die sind ALLE OPFER! Ich werde langsam klarer im Kopf, erkenne immer mehr Zusammenhänge, aber falle immer wieder zurück in den Dämmerzustand der alten Gewohnheiten. Ich merke, dass es auf MICH ankommt. Und dass ICH in meinem Leben etwas ändern muss, erwarte das aber noch in gleichem maß von allen anderen um mich herum auch. Was mich immer wieder von mir selbst ablenkt. Im Schlafsaal der Träumenden rufe auch ich schlaftrunken immer lauter: Wacht auf!

4. Da-Sein

Relativ plötzlich höre ich mein eigenes Rufen, und registriere, dass das was ich rufe für MICH gilt. WACH AUF! Dazu brauche ich NIEMAND anderen! Das kann nur ICH ALLEIN! Wer wann aufwacht, entscheidet (wie ich selbst gerade) für sich selbst. Und das ist auch völlig ok so. Es fällt ein gewisse Druck von mir, andere belehren zu müssen. Keine Zeit drängt hier. Die Hölle war ein TRAUM, eine ILLUSION, und keiner ist darin wirklich in Gefahr. Ich merke, dass ich den anderen getrost ihre Zeit lassen kann, die sie brauchen um aus dem Albtraum aufzuwachen, der nun nicht mehr MEINE Welt ist. Eine andere, eine Neue Welt hat mich in ihren Bann gezogen: eben MEINE. Es fällt mir leichter, meine alten Gewohnheiten abzulegen, und ich erlaube mir, OHNE auf andere zu warten, aufzustehen und diese Neue Welt um mich herum zu erkunden. Ich habe kein Problem mehr damit, wenn mich jemand doof findet, so lange ich mich nicht doof finde, und wenn mich jemand toll findet, ist das auch einfach nur noch schön. Aber kein erstrebenswertes Ziel mehr. ICH finde mich jetzt toll, da können die anderen dran rütteln wie sie wollen, ich weiss warum ich mich toll finde. Und weil ich das von anderen nicht mehr brauche, brauche ich ihnen das auch nicht mehr zu zeigen. Ich BIN einfach. Sehen tut in mir eh jeder das, was er in mir sehen will. Ich also jetzt auch. Ich brauche nicht mehr zu streiten, niemanden belehren oder missionieren, sondern habe SELBST etwas gelernt: Die Dinge so zu akzeptieren wie sie gerade sind, wissend, dass nichts bleibt wie es ist. Die Dinge sind Teil der Illusion, die ich jetzt immer deutlicher erkenne. Streit oder Rechthaberei erscheinen aus dieser Perspektive nur noch lächerlich. Ich erhebe mich über niemanden mehr, weil ich meinen Selbstwert gefunden habe: So viel wert wie alles um mich herum auch. Es gibt nichts besonderes mehr, weil das GANZE besonders ist.
Ich spiele mein Leben nach MEINEN Regeln, lass das aber jeden anderen auch für sich tun. Und ich SEHE, wie ALLES was ich erlebe von MIR geschaffen wurde. Vor allem als WAS ich es erlebe. Es gibt kein Drama, das man sich nicht selbst geschaffen hätte.

5. LEBEN

Mein Leben ist in Ordnung, und mit mir auch, wie andere Ihres Leben. Ich empfinde mich aus vollem Herzen als Teil eines GANZEN, und lasse mich von ihm führen. Ich BIN das ganze, also brauche ich mich gegen nichts darin mehr zu stellen. Ich geniesse und lerne im Abenteuer leben. Alles ist, wie es sein soll. Nie war es anders. Immer wird es so sein.

 

Wer weiss was noch kommt. 
Diese Phasen gehen meist nahtlos in einander über, sind also schwimmend und nicht immer leicht abgrenzbar. Was nicht bedeutet, dass in manchen Fällen ein bestimmtes Ereignis und in eine andere Phase katapultieren kann. In die eine wie die andere Richtung. Auch hier ist alles in Bewegung. Oft dann auch deutlich spürbar. Doch meist ohne für den Verstand greifbare erklärung.
Aber es lohnt sich so sehr, diese Dinge mal eine Weile zu beobachten (13 Jahre z.B.) … Dann wird klar, warum ich so gern drüber schreibe.

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Ein Gedanke zu “„Aufwachprozess“

  1. Ich danke Dir, für Deine tolle Beschreibeung. Du triffst genau die richtigen Worte für das, was auch mir wiederfahren ist und ich bin so unendlich dankbar dafür. Und nun merke ich, das wir immer mehr werden, es ist ein unaufhaltsamer Prozess ind dem wir uns befinden und ich fühle mich wie ein kleines KInd, aufgeregt und voller Neugier auf das Leben auf das was noch vor uns liegt.

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